Vom 01.09. bis 06.09. fand die mittlerweile dritte SingSpielWoche am Brunnmatthof statt. Unter der bewährten Leitung von Isabelle Guidi (Schauspielerin, Tanz- und Theaterpädagogin) und Katrin Kröper (Musikpädagogin, Chorleiterin) wurde dieses Jahr mit 21 Kindern erarbeitet, wie Jim und Lukas die Prinzessin Li Si und weitere Kinder aus der Drachenstadt befreiten.
Ich, Michael, durfte als „Glückskoch“ das ganze Geschehen aus meiner Küche betrachten und miterleben. Die Küche des Hofes liegt direkt neben dem Seminarraum und der Eingangshalle, in der das ganze Stück erarbeitet wurde und so hatte ich das Glück, alles, aber auch alles hautnah miterleben zu dürfen. Auch durch das gemeinsame Mittagessen, welches von mir zubereitet wurde, hatte ich direkten Kontakt zu den Kindern.
Das Wochenende davor:
Der äußere Rahmen für das Probegeschehen wird gerichtet. Es wird aufgeräumt, der Flügel bekommt seine Position, die gemütliche Ecke wird mit 23 Sitzkissen für das morgendliche Beginnen gerichtet, der Vorraum wird zur Bastelwerkstatt verwandelt und die notwendigen Materialien bereitgestellt. Isabelle und Katrin sitzen zusammen und treffen die letzten inhaltlichen Absprachen.
Montag 1.Tag:
Ich laufe um 6:30 Uhr durch den Vorraum, werfe einen Blick in den Theaterraum, betrete die Küche, finde den Knopf der Kaffeemaschine und weiß, jetzt kann es losgehen. Das schöne Gefühl der Vorfreude macht sich endgültig breit. Zum Start in die kulinarische Woche gibt es Nudeln mit Tomatensoße und Beerenjoghurt. Jeden Tag gibt es für die Kinder auch ein Salatbuffet. Mittlerweile ist es halb acht und die Hofkinder, die am Projekt mitmachen, sind wach und können es kaum erwarten, dass es losgeht. Entsprechend aufgedreht ist die Stimmung. Zwischen 9 Uhr und 10 Uhr werden die Kinder von ihren Eltern gebracht, die letzten Fragen besprochen, die Einverständniserklärung für die Fotoaufnahmen werden unterschrieben. Zu den alten Hasen gesellen sich sieben neue Kinder, die zum ersten Mal dabei sind. Schon vor der eigentlichen Zeit sitzen alle Kinder in gespannter Erwartung in der Morgenecke. Punkt 10 Uhr geht es mit einem morgendlichen rhythmischen Begrüßungsspiel los. Zuvor haben alle Kinder schon ein Bild mit ihrem Namen gemalt, welches ihren Kostümstuhl hinter der Bühne markieren soll. Ich richte derweil die kleine Zwischenmahlzeit, mit der sich die Kinder bei der Pause stärken können. Das erste Lied erklingt, die Truppe hat den Platz gewechselt und macht sich mit den Bühnengegebenheiten vertraut. Wie im Fluge vergeht die Zeit. Es ist schon kurz vor halb eins und die Kinder wollten kaum die kleine Pause machen. Ich habe derweil elterliche Hilfe bekommen und auf der großen Terrasse wurden die Vorbereitungen für das Mittagessen gerichtet. Die Kinder, die für das Tischdecken verantwortlich sind, kommen dazu und schon kann es losgehen. Die Kinder verteilen sich auf die drei Tische, ein Lied wird gesungen und spielerisch wird die Reihenfolge der Tische für die Essensausgabe festgelegt. Wie immer sind die ersten Kinder schon nach wenigen Minuten mit dem Essen fertig und fragen, wann es den Nachtisch gibt. Im Laufe der Woche haben dann alle Kinder mehr oder weniger gelernt, dass auch entspanntes Essen möglich ist. Nun können die Kinder spielen gehen, es werden Bastelaufgaben für die Requisiten verteilt und zwei Kinder dürfen beim Abräumen helfen. Punkt halb zwei geht es wieder los und die Zeit bis 15 Uhr vergeht wie im Fluge. Ab 15 Uhr können die Kinder wieder abgeholt werden. Die Betreuung der Kinder geht bis 16 Uhr. Während einige wieder basteln und malen und sich an das Bemalen der Räder für „Emma“ machen, nutzen andere Kinder die schöne Freifläche und spielen Fußball, üben sich im Diabolo oder spielen mit den Katzen. Eine wahrlich entspannte Atmosphäre.
2. Tag Dienstag
7:30 Uhr Ich komme vom Einkaufen und es erwarten mich die Kinder vom Hof bastelnd, das erste Lied singend und natürlich mit der Frage „Was gibt´s heute?“ – Heute gibt es Pellkartoffeln mit Quark und Schokoladen oder/und Vanillepudding. Ab 9 Uhr trudeln wieder die ersten Kinder ein. Alle gut gelaunt und wieder in gespannter Erwartung, was heute alles ansteht. In der ersten Stunde bis 10 Uhr wird wieder viel gebastelt, alle die wollen beschäftigen sich mit dem Herstellen des Bühnenbildes. Während des Spiels gibt es eine Szene, in der jedes Kind einen kleinen selbst gebastelten Fisch in die Hand nimmt und diesen singend über die Bühne wandern lässt. So entstehen 21 verschiedene Fische. An diesem Morgen wird das Spiel szenisch und musikalisch von allen gespielt, sodass die Kinder einen Eindruck bekommen, welche Rollen es in dem Stück gibt. So kann jedes Kind erspüren in welche Rolle es denn gerne schlüpfen möchte. Nach dem Mittagessen sitzen dann alle Kinder zusammen und Jedes darf seine Rollenwünsche mitteilen. Der Nachmittag klingt wieder mit viel Basteln und Spielen aus.
3. Tag Mittwoch Bergfest
Das muss natürlich gebührend gefeiert werden. So gibt es heute zur Feier des Tages Eis zum Nachtisch. Jeder Tisch bestimmt dafür einen sogenannten Eisbeauftragten, der dann für die Verteilung des Eises zuständig ist. Vor dem Eis gab es Reis und eine Ratatouille Soße. Nach dem Mittagessen wurde es dann spannend für die Kinder, denn sie bekamen mitgeteilt, wer denn in welche Rolle schlüpfen darf. Glücklich kamen sie in die Küche gestürmt und jeder erzählte, wer er/sie alles sein darf. Jedes Kind durfte während der Aufführung verschiedene Charaktere darstellen. Als Rolle war dabei auch begehrt das Sprachrohr der Emma zu bedienen. Eine besondere Form von Flöte, die geblasen werden musste.
4. Tag Donnerstag
Heute gibt es Kürbissuppe, Bratlinge und als Nachtisch Melone. Und heute hätte ich einen Souffleur benötigt, der mir einflüstert, dass ich vergessen hatte die Bratlinge aus dem Ofen zu holen. So waren viele Kinder schon statt, ehe die Bratlinge auf dem Tisch landeten. Sie fanden aber während des Nachmittags den Weg in die Mägen der Kinder. Ansonsten gab es keine besonderen Vorkommnisse aus der Küche zu berichten. Vielmehr gab es manche erstaunte Rückmeldung der Eltern, was denn ihre Kinder alles so essen, was sie zu Hause nie essen würden. Von der Bühne gibt es zu berichten, dass es langsam ernst wurde. Der Probenraum wurde erweitert durch die Küche von Katrin, wo die Kinder, einzeln oder in Gruppen sich mit ihrer Rolle vertraut machen durften. Das Basteln und Richten der Requisiten gingen nun einher mit dem Singen der verschiedenen Lieder. Kaum war ein Lied verklungen stimmte ein Kind das nächste Lied an und alle stimmten wieder mit ein. Eine herrliche Atmosphäre. Ein Junge, der jetzt schon das dritte Mal dabei war, meinte: „jetzt geht es endlich richtig los“. Am Nachmittag ging es auch an das Probieren der verschiedenen Kostüme. Für die Mandala Szene bastelte dann auch jedes Kind seine eigene Kopfbedeckung. Stolz wurden die verschiedenen Kostüme getragen und gezeigt. Nach dem Probentag ging es dann weiter mit dem Aufbau der Bühnentechnik, denn am Freitagnachmittag sollte ja schon die Generalprobe stattfinden. Und wie jedes Jahr stellte sich die bange Frage ein, wie denn das morgen klappen soll. Das Stück war durch die große Anzahl an verschiedenen Stationen eine Herausforderung. Aber es setzte sich natürlich das Wissen durch, dass die Knöpfe schon springen werden. Wie jedes Jahr.
5. Tag Freitag
Heute ist tatsächlich schon Freitag? Der übliche Tagesbeginn mit gemütlichem Ankommen, basteln und spielen. Die Eröffnungsrunde mit Klatschen und Singen und dann geht es schon ans Anziehen und die Durchlaufprobe beginnt. Am letzten Tag grillen wir immer und es gibt Kartoffel-, Nudel- und griechischen Salat und zur Feier des Tages nochmal Eis. Der ursprüngliche Plan war, dass um halb zwei die Generalprobe beginnen sollte. Da jedoch noch etwas gefeilt werden musste, konnte das kleine Premierenpublikum erst um 14.15 Uhr eingelassen werden. Natürlich war auch ich dabei. Zum Glück wusste ich genau, dass es sinnvoll ist, ein Taschentuch mitzunehmen. Erleben zu dürfen wie die Kinder den Prozess der letzten Tage auf der Bühne umsetzen, wie jedes Kind in seine jeweilige Rolle hineingewachsen ist, wie die Kinder zu einer Theatergemeinschaft zusammen gewachsen sind, ließ mein Auge nicht trocken bleiben. Und dieses Erleben führt dazu, dass ich auch nächstes Jahr wieder das Miteinander sehr gerne aus der Küche heraus begleiten werde.
Der Aufführungstag:
Alles Kinder sind da und wuseln in ihren schwarzen Gewändern über das Gelände. Punkt 10 Uhr und sie sind zu den letzten Vorbereitungen verschwunden. Die Eltern finden sich auf der Terrasse ein und erwarten gespannt die Aufführung. Um die Wartezeit zu verkürzen wird für interessierte Eltern und Angehörige eine Hofführung angeboten. In der Küche sammelt sich das Fingerfood für das gemeinsame Buffett nach der Aufführung. Es war klar, dass es mit den Plätzen knapp zugehen wird, zum Schluss hat jedoch jeder einen Passenden gefunden und dann ging es los. Und wie üblich beim Theater: Während die Generalprobe noch etwas holprig war, lief heute alles rund und nach 52 Minuten gab es tosenden Applaus und rundum glückliche Gesichter.
Nach der Singspielwoche ist vor der Singspielwoche und so wird es diesmal an die Überlegung gehen, wie die älter gewordenen Kinder nächstes Jahr integriert werden können. Gibt es eine neue Truppe, nur mit den Älteren? Wann könnte dies stattfinden? Bleibt es bei dieser Gruppe? Wie kann dann jeder Altersgruppe entsprochen werden? Interessante Fragen und wir sind gespannt, wie sich Isabelle und Katrin entscheiden werden.
Ein ganz herzliches Dankeschön an die Beiden für diese wunderschöne Begleitung der 21 Kinder.